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Der Citroën SM

Historie

Der Citroën SM ist ein von 1970 bis 1975 gebautes Luxus-Oberklasse-Coupe, von dem nur rare 12970 Fahrzeuge in den Handel kamen. Citroën beschäftigte sich in seinem Projekt "S" schon seit Mitte der 1960-er Jahre mit der Idee, auf Basis der legendären "Göttin", Citroën DS, ein leistungsstarkes, sportliches Oberklasse-Fahrzeug zu entwerfen. Durch die Zusammenarbeit und spätere Übernahme der Firma Maserati durch Citroen in 1969 kam die Entscheidung hinzu, dem Fahrzeug serienmäßig einen rassigen italienischen V6-Motor zu spendieren. Nach dem Erscheinen des Fahrzeugs beim Genfer Autosalon 1970 wurde es in der Presse gefeiert als "schnellster Fronttriebler der Welt" und die "sanfte Rakete aus Paris". Der Citroen SM überzeugte durch zukunftsweisende technische Ingenieurslösungen und futuristisches, eigenständiges Design von Karosserie und Interieur. Seine Robustheit stellte er in der Rallye du Maroc 1971 unter Beweis, indem die teilnehmenden SM die ersten Plätze belegten. Nach anfänglich guten Verkaufszahlen fiel der Absatz jedoch kontinuierlich ab, bis 1975 nur noch 114 SM vom Band liefen. Ursache war zum Einen der als empfindlich geltende Maserati-Motor, der vor allem in der Anfangszeit durch ungenügende Wartung häufig kapitale Schäden erlitt. Zum Anderen wurde der Citroën SM Opfer der Ölkrise in 1973. Zum ersten Mal gab es massive Absatzeinbußen durch die hohen Benzinpreise.

 

Quelle: "Description Technique", Relations Publiques CitroenQuelle: "Description Technique", Relations Publiques Citroen

Technik

Wie das Vorgängermodell, die DS, besitzt der Citroën SM die Citroën-spezifische Zentralhydraulik: Sobald der Motor läuft, wird ein grünliches Öl, das LHM, von einer Hochdruckpumpe in eine grün lackierte Kugel komprimiert. Von dort aus werden dann die vielen Funktionen des Fahrzeugs hydraulisch versorgt. Legendär ist die hydro-pneumatische Federung von Citroën, die ein mit dem Schweben vergleichbares, völlig von Bodenwellen entkoppeltes Fahren ermöglicht. Die vier Scheibenbremsen sind ebenfalls voll hydraulisch gesteuert und bieten einen überraschend kurzen Bremsweg. Die Bedienung durch den Gummipilz anstatt Bremspedal sollte man als Neuling erst mal vorsichtig üben. Der Wagen ist trotz fehlendem ABS sehr spurstabil, begründet in der besonderen Fahrwerksgeometrie und lastabhängig gesteuerter Bremskraftverteilung. Eine Neuheit war die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung DIRAVI: Bei nur einer Lenkradumdrehung bis zum Vollausschlag in jede Richtung ist die Lenkung sehr leichtgängig und ermöglicht agiles Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten, wobei sich das Lenkrad auch bei Stillstand hydraulisch in Geradeausfahrt zurückstellt. Bei höheren Geschwindigkeiten verstärkt sich die Rückstellkraft, so dass man das Fahrzeug auf der Autobahn nicht verreißt. Die im Dauerbetrieb mögliche Höchstgeschwindigkeit beträgt ca 220 km/h, wodurch man im heutigen Verkehr (45 Jahre später 2018) noch locker mitkommt. Auch wenn der Sound rassig ist und die Leistung von 170 PS, später ab 1972 mit Einspritzung 180 PS beträgt, kann man das Fahrzeug nicht als einen ausgesprochenen Sportwagen bezeichnen. Der Wagen ist für damalige Verhältnisse schwer und die Beschleunigung ist für Schnellfahrer eher moderat. Trotzdem kann man die Drehfreudigkeit des Motors und den Sound beim Beschleunigen schon genießen. Der Motor fand später noch weiter Verwendung im Schwesterfahrzeug Maserati Merak. Unerschöpflich ist der SM was die zukunftsträchtigen technischen Innovationen angeht. Die Hydropneumatik bringt nebenbei die manuelle Höhenverstellung mit und regelt die Federung entsprechend der Beladung des Fahrzeugs. Die 6 Scheinwerfer haben Leuchtweitenregelung und zwei von ihnen dienen als Lenkscheinwerfer, die der Lenkung im Kurveninneren vorauseilen und fast 90° ausschwenken. Klimaanlage gab es als Option und die Liste der zukunftsweisenden Gimmicks ist lang: unter anderem zum Beispiel die regen-abhängigen Scheibenwischer.

 

Design

Der Chef-Designer Robert Opron schuf eine neuartige, völlig eigenständige Karosserie, die bis heute die Menschen betört und polarisiert. Die 5m langgestreckte Form ist vorne breit und flach, verjüngt sich dann zu einem schmalen Heck in poliertem Edelstahl. Der Wagen ist eindeutig eine Ikone der 1970-er Jahre. Die markante Glas-Kühler-Front wurde kaum wieder kopiert, aber viele Design-Elemente wie das gläserne Fließheck wurde zu gängigen Design-Elementen späterer Fahrzeuge, so dass der SM heute immer noch sehr modern wirkt, oder eben einfach zeitlos futuristisch aussieht. Das Innere wirkt luxuriös mit Schalensitzen, man fühlt sich mit den ovalen Bord-Instrumenten und dem kleinen Einspeichen-Lenkrad wie im Flugzeug. James Bond und Captain Kirk lassen grüßen. Citroën bewarb den Wagen sehr aufwendig mit hohem künstlerischen Anspruch, so dass nicht nur das Auto, sondern auch die alten Kataloge und Werbeprospekte als Sammlerobjekte kursieren.

 

Text: Bernhard Morell, (c)2018

 

 

Quelle: Prospekt "SM" 6/73, von CitroenQuelle: Prospekt "SM" 6/73, von Citroen

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